It's not a goodbye, it's a see you later!

It's not a goodbye, it's a see you later!

Hallo liebe Ratsaner(innen),

nun bin ich schon wieder zu Hause ... und es fiel mir schwer, bye zu meinem zweiten Zuhause zu sagen. Letzten August begann ich mein Auslandsjahr im Staat Michigan, in den USA. Ich hatte schon immer davon geträumt, in den USA zu leben und ich wusste, es würde ein Jahr voller neuer, aufregender Erfahrungen werden.

Ich hatte sogar das Glück, mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm, kurz PPP, in die USA zu reisen. Das PPP ist ein Vollstipendium des US-amerikanischen Kongresses und des Deutschen Bundestages, das seit 1983 jedes Jahr Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen die Möglichkeit gibt, ein Austauschjahr in den Vereinigten Staaten von Amerika zu verbringen. Es hat über den kulturellen Austausch dazu beigetragen, die Freundschaft zwischen den USA und Deutschland zu vertiefen. Aufgrund meines Interesses an der deutschen und amerikanischen Politik sowie der Kultur bewarb ich mich für dieses tolle Programm und musste mich durch verschiedene Auswahlverfahren durchschlagen. Letztendlich verdanke ich dem Bundestagsabgeordneten und nun auch Generalsekretär der SPD Hubertus Heil die Möglichkeit, ein Auslandsjahr angetreten haben zu können und Botschafterin meines eigenen Landes gewesen zu sein, er hatte mich für das Parlamentarische Patenschafts-Programm ausgesucht. Ich habe dieses Jahr so viel dazugelernt. Nicht nur habe ich etwas über die Politik, Geschichte und Kultur der USA gelernt, sondern auch über mich selbst und mein Heimatland. Ich kann einen Austausch von ganzem Herzen empfehlen und würde es immer wieder machen. Durch das PPP hatte ich die Möglichkeit, mit vielen anderen Stipendiaten und Stipendiatinnen an einem Workshop in Washington D.C. teilzunehmen. Das war natürlich ein absolutes Highlight von diesem Jahr! Außerdem bekam ich die Möglichkeit, Michigans Senatoren und Hausrepräsentanten zu treffen und meiner Community in den USA vieles über Deutschland näherzubringen und ihnen durch ehrenamtlichen Dienst zu helfen.


Auch wenn die Anfangszeit verständlicherweise erst einmal ein wenig schwer war, aufgrund des „Kulturschocks“, des neuen Lebens in einer anderen Familie und der völlig unbekannten Umgebung, habe ich mich schnell eingelebt und mit jedem neuen Tag meine Zeit hier mehr genossen. Meine Gastfamilie bestand aus meinem Gastvater, meiner Gastmutter und meinen kleinen Gastschwestern, vier Jahre und ein Jahr alt. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr sie mir ans Herz gewachsen sind und wie dankbar ich bin, dass sie mir ein zweites Zuhause gegeben haben.


Die High School hier war gar nicht zu vergleichen mit unserer Schule. Die ersten Monate ging es für mich in dem typisch gelben Schulbus zur Schule, bis mir eine Freundin aus meiner Nachbarschaft anbot, mich im Auto mitzunehmen. Es ist einfach unglaublich, dass jeder hier schon mit 16 Jahren Auto fahren darf. In meiner Umgebung war es schwierig von A nach B zu kommen, wenn man kein Auto besitzt. Nur in großen Städten gibt es öffentliche Verkehrsmittel. Der Schultag begann bei uns um 7.45 Uhr und endete um 14.40 Uhr, wobei viele Schülerinnen und Schüler für sogenannte „extracurricular activities“ (so etwas wie AGs) länger blieben. Im ersten Sporttrimester machte ich Cheerleading und im dritten spielte ich Lacrosse, was sich für mich als eine der besten Entscheidungen herausstellte. Ohne vorher jegliches über Lacrosse gewusst zu haben, bin ich zusammen mit meinem Team unglaublich durch diesen Sport gewachsen und hatte eine Menge Spaß. Der Ablauf des Schultages ist jeden Tag gleich. Jeder Schüler hat jeden Tag dieselben Fächer in denselben Klassen, die allerdings nach jeder Stunde gewechselt werden müssen. Demzufolge bleiben die Lehrer den ganzen Tag in ihren eigenen Klassenräumen, die sie auch beliebig gestalten können. Da man in amerikanischen Schulen seinen Stundenplan selber zusammenstellen kann, gibt es hier viel mehr Spaßfächer. Diese sind nicht notwendig, aber ziemlich interessant. Aus diesem Grund belegte ich Fächer wie Essen & Gesundheit oder Fotografie. Auch der Unterricht verläuft total anders. Die mündliche Mitarbeit spielt im Grunde überhaupt keine Rolle, da die Zeugnisnote aus den schriftlichen Noten berechnet wird. Nach Abarbeitung eines Themas wird immer ein Test geschrieben und dazu werden auch fast alle Hausaufgaben und Stundenaufgaben eingesammelt und dann vom Lehrer benotet. Im Unterricht wird viel mit Medien gearbeitet und jedem wird ein MacBook gestellt. Nach meiner Ansicht sind die Amerikaner auch sehr stolz auf ihr Vaterland. Daher wird in meiner Schule jeden Tag einmal der „Pledge of Allegiance“ gesprochen, bei dem alle aufstehen und ihre Hand auf die Brust legen. Vor jedem Sportspiel muss des Weiteren die Nationalhymne gespielt werden.

Ein großer Unterschied zu Deutschland ist der „American Schoolspirit“. Durch die vielen „extracurricular activities“, die eine amerikanische High School anbietet, finden wöchentlich ein bis zwei Spiele gegen eine andere Schule statt. Besonders beim Football und Basketball versammeln sich die Schüler, gekleidet in den Schulfarben (bei mir Blau und Gold), und dann gilt es, das eigene Team anzufeuern! Ständig brüllen Leute so etwas wie „Go, mattawan!“ oder „Go, wildcats!“ und man sieht die Cheerleader ihre Pyramiden oder Tänze vorführen. In diesen Momenten habe ich mich wirklich wie im Film gefühlt und wünschte, wir hätten so etwas in unseren deutschen Schulen. Es war total schön zu sehen, wie sich die Schule dort als Einheit präsentiert hat. Außerdem wurde ich in meiner High School als Senior eingeschrieben, also als Zwölftklässlerin, sodass ich am Prom, der Graduation, dem Senior-Ausflug und vielen anderen Dingen teilnehmen konnte.


Zum Staat Michigan an sich kann ich nur sagen: Atemberaubend! Am Anfang konnte ich mir unter Michigan nicht wirklich etwas Besonderes vorstellen. Doch während meines Jahres habe ich diesen Staat lieben gelernt. Michigan ist ein Naturparadies mit vielen dichten Wäldern, weiten Seen und den wunderschönen Stränden der „Great Lakes“. Mit meiner Gastfamilie war ich oft mit dem Boot auf einem See unterwegs und wir haben verschiedene Ausflüge gemacht. Zum Beispiel waren wir für das Memorial-Day-Wochenende campen. Ich hatte wirklich superviel Spaß! Die Leute in Michigan waren generell sehr offen und freundlich, sodass ich mich auch schnell schon wie ein richtiger „Michigander“ gefühlt habe. Ich kann nur sagen, dass mein Auslandsjahr unvergesslich bleibt! Meine Freunde und meine Gastfamilie vermisse ich schon jetzt sehr. Ich kann es kaum erwarten, ihnen so schnell es geht wieder einen Besuch abzustatten; schließlich habe ich ihnen versprochen: It's not a goodbye, it's a see you later.

Falls jemand Interesse an einem Auslandsjahr in den USA hat oder noch weitere Fragen bestehen, könnt ihr mich auch gerne noch persönlich ansprechen!

Annalena Rademacher

(Ein Bildbeitrag stammt von der Homepage www.hubertus-heil.de. – Die Redaktion.)

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